Grad der Behinderung

Re: Grad der Behinderung

Beitragvon Hermann » 24. Feb 2008, 14:49

Hallo Kamasutra,
das mit den "Prozent" kommt aus einer Zeit, die noch gar nicht lange zurückliegt. Damals sagte man nicht GdB (Grad der Behinderung) sondern MdE (Minderung der Erwerbsfähigkeit). Bei der seinerzeitigen "Minderung der Erwerbsfähigkeit" waren die "Prozent" mehr angebracht als heute bei dem "Grad der Behinderung". Sprachgebräuchlich sage ich und sagen andere auch z. B. "GdB 50 %", weil "Grad" aus meiner Sicht gar nichts mit "Prozent" zutun hat. Wenn wir z. B. von einer Außentemperatur von 25° Celsius sprechen, meinen wir auch nicht "Prozent". "Prozent" benutzen wir dann schon eher bei der Luftfeuchtigkeit. Aus meiner Sicht sind die "Prozent" nach wie vor angebracht, denn in ihnen spiegelt sich wider der Anteil von 100, der nur noch eingeschränkt für physisches Tun eingesetzt werden kann.
Herzliche Grüße und alles Gute
Hermann
Habe einen Bericht über einen epilepsiechirurgischen Eingriff verfaßt, der den Zeitaufwand für die OP von der ersten Untersuchung über die Reha bis zur Arbeitsaufnahme beschreibt. Kann über PN angefordert werden.
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Re: Grad der Behinderung

Beitragvon Hermann » 24. Feb 2008, 15:11

Hallo Kamasutra,
ich möchte in Deine Diskussion, Schwerbehindertenausweis (SBA) ja oder nein, kurz eingreifen. Ein selbständig Tätiger, der beabsichtigt, bei Möglichkeit in ein Arbeitsverhältnis zu kommen, macht sich seinen Wunsch zunichte, wenn er sich einen SBA besorgt.
Leider muß festgestellt werden, dass Politik und Gewerkschaften die derzeitige Misere auf dem Arbeitsmarkt zu verantworten haben. So nötig, die Gewerkschaften vor gut 50 Jahren noch waren, so sehr zeichnen sie sich heute durch mangelnde Flexibilität aus. Die Konditionen sind zu starr und unbeweglich geworden. Ich bin davon überzeugt, dass mindestens 30 % der derzeit 5 Mio Arbeitslosen für 10 % unter Tarif arbeiten möchten, um nur wieder integriert zu sein.
Wenn jetzt noch die Regierung, die durch immer neue Gesetze die Rechte der Arbeitgeber gestärkt hat, auch noch den Mindestlohn festsetzt, ist alles verloren. Warum? Ein Arbeitgeber will sich mit der Einstellung von Mitarbeitern nicht nur Verpflichtungen einkaufen, er möchte vielmehr ein partnerschaftliches Verhältnis mit einer Person eingehen, die Konditionen selbst aushandeln und nicht vorgeschrieben bekommen. Die Gewerkschaften z. B. haben es vor einigen Monaten wieder verstanden, die Lockerung des Kündigschutzes zu verhindern. Auch das bedeutet, dass sich ein Arbeitgeber noch mehr überlegen muß, ob er überhaupt einstellt oder nicht.
Liebe Grüße
Hermann
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Re: Grad der Behinderung

Beitragvon nic » 24. Feb 2008, 20:51

Ich möchte da widersprechen. Ich habe einen Schwerbehindertenausweis, den ich bei meinem alten Arbeitgeber nicht angegeben habe... und zwar ganz bewusst nicht. Klar hätte ich es ihm damit schwer machen können das er mich nicht hätte kündigen können, aber damit hätte ich mir keinen Gefallen getan.

Ich habe zu 80% trotz meines Schwerbehindertenausweises eine neue Arbeitsstelle gefunden. Meine Chefs haben kein Problem mit der epilepsie und das ich ne eingetragene Schwerbehinderung von 80 mit Merkzeichen G und B habe. Ihnen ist die Arbeitsleistung und das Menschliche wichtiger und das stimmt.
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Re: Grad der Behinderung

Beitragvon Mirjam » 24. Feb 2008, 21:06

Hallo!

Ich denke die Frage "ja" oder "nein", kann nicht einfach so beantwortet werden. Es hat Vor- und Nachteile. Wie nic schon sagt, es kommt ganz auf den Arbeitgeber an, ob es ihn "stört" oder nicht. Ich habe/hatte 2 Arbeitsstellen, bei denen ich 100% sicher bin, dass ein SBA nicht stören wüde bzw. gestört hätte bei der Einstellung (ich habe keinen).

Also kann man nicht sagen ob er nun anzuraten ist oder nicht. Leider kannman natürlioch nicht im Voraus wissen, wie der AG reagiert. Das ist halt das Dumme. Aber ich denke, es ist immer besser mit offenen Karten zu spielen, denn wenn es dann rauskommt, hat es sicher keine guten Auswirkungen.

Nur halt so meine Meinung.
LG Mirjam
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Re: Grad der Behinderung

Beitragvon Kamasutra » 25. Feb 2008, 10:02

Was mich interssieren würde: Was gibt es sonst noch an Nachteilen? Und was an Vorteilen? Denn das hatten wir so wirklich eigentlich noch nicht auf dem Tisch. Das einzig konkrete, das angesprochen wurde, waren potentielle Nachteile (je nach Arbeitgeber) beim Arbeiten.
Gruß, Kamasutra
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Re: Grad der Behinderung

Beitragvon nic » 25. Feb 2008, 20:16

Du hast einen besonderen Kündigungsschutz. Dir stehen 5 Tage mehr Urlaub als anderen Arbeitnehmern zu.
Dann gibt es Vergünstigungen im öffentlichen Nahverkehr ab einem gewissen Grad der Behinderung. Wenn du Merkzeichen drin hast, dann gibts da auch noch verschiedene Vergünstigungen.

Durch meine Schwerbehinderung, bekommen meine Arbeitgeber bei mir einen Zuschuss zur Integration, weil sie nen Schwerbehinderten beschäftigen.

Also ich hatte bisher keine Nachteile wegen dem Schwerbehindertenausweis,sondern eher Vorteile.
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Re: Grad der Behinderung

Beitragvon Mirjam » 25. Feb 2008, 20:20

Hallo Kamasutra!

Vorteile:
Falls jemand bereits eine Arbeitsstelle hat:
Kündigungsschutz; Anspruch auf mehr Urlaub

Falls Autofahrer:
Steuerermäßigung, je nach Grad Parkausweis

Falls kein Autofahrer:
Je nach Grad der Behinderung in einem bestimmen Umkreis freie Fahrt mit öffentl. Verkehrsmitteln

Bei verschiedenen Einrichtungen, Veranstaltungen, Museen etc. je nach nachdem Ermäßigung oder freien Eintritt

Nachteil:
Falls noch keine Arbeit, mag es sein, dass man aus o.g. Gründen nicht genommen wird.
Sonst weiß ich im Moment keine, was aber nicht heißt, dass es keine mehr gibt...

LG Mirjam
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Re: Grad der Behinderung

Beitragvon Dendrit » 25. Feb 2008, 22:14

Hallo Zora und Mirjam,

Je nach Grad der Behinderung in einem bestimmen Umkreis freie Fahrt mit öffentl. Verkehrsmitteln

Das sind 50 km. Innerhalb der Verkehrsverbünde von Bahn (z.B. Münchner Verkehrsverbund, Nürnberger etc.) auch grundsätzlich kostenlos. Je nach dem wie groß und verbreitet ein Verkehrsverbund ist, kann man durchaus kostenlos zu einer mehrstündigen entfernten Stadt fahren. Allerdings halt nur im Nahverkehr.

Busse in Verbünden kosten auch nichts (außer sie sind privat).

Hat man den Buchstaben "B" dabei, kann eine Begleitung grundsätzlich kostenlos mitfahren.

Reservierungen in Zügen sind kostenlos (früher kosteten sie 5,- DM, was jetzt, weiß ich nicht).

Ebenso kann man im Prinzip immer ein Sitzplatz in Bussen, Zügen, U-Bahnen etc. in Anspruch nehmen (weiß aber nimmer, wg. dem Buchstaben "B" oder "G").

Man kann auch direkt an die Kasse gehen und müsste sich nicht anstellen und wäre gleich der nächste. (Das hab ich nur einmal gemacht: Tierpark, um die 30°, Schlange für leicht 10 Min. anstellen und natürlich kein Schatten.)

:blabla: Mehr fällt mir spontan nicht ein. Ich schau mal im Link vom VdK nach und schreibe es der übersichtlichkeithalber oben unter den GdB rein.

LG, Manuela
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Re: Grad der Behinderung

Beitragvon Dendrit » 25. Feb 2008, 22:23

So, hab das Eingangsposting ergänzt.
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Re: Grad der Behinderung

Beitragvon Hermann » 25. Feb 2008, 22:32

Hallo Dendrit,
alles was Du sagst zur Freifahrt mit den grün/orangefarbenen Schwerbehindertenausweis ist richtig. Ich kenne jede Menge Leute, die durch ganz Deutschland mit dem Ausweis in Regionalbahnen und -bussen touren. Ich wohne im nördlichen Niedersachsen, die zwei Monate in Bielefeld, das ist NRW, bin ich mit allen Bussen und Bahnen umsonst gefahren. Ich bin über Weihnachten/Neujahr zwei Monate weggewesen gut 300 km von meinem Wohnort, auch dort konnte ich kostenlos fahren. Das heißt: "Frechheit siegt." oder dezenter ausgedrückt: "Probieren geht über Studieren."
Herzliche Grüße
Hermann
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